heimat.welt.cd

heimat.welt.cd oder: Wir sind alle 1A!
Ein interkulturelles Projekt der 1A-Klasse

Auszeichnung: Multimediaklasse 1A gewinnt Media Literacy Award 2007

Titel Broschüre

32 Schüler aus 7 verschiedenen Nationen, rechnet man die "Halbfranzösin", die "Halbdeutsche" und die "Viertelungarin" dazu, sind es sogar 10 - manche würden da reflexartig von einer Problemklasse sprechen. Was für ein Unsinn!
Ist es in einer Zeit, in der alle von Globalisierung reden, nicht eher ein ungeheurer Reichtum, eine großartige Chance, wenn Menschen so vieler Kulturen zusammen eine Klasse bilden und alle miteinander "1A" sind? Und nebenbei: Was heißt eigentlich "In- oder Ausländer" in einem Land, in dem Politiker und Sportler Kdolsky, Darabos oder Vastic heißen?

So haben wir also unsere kulturelle Vielfalt zum Thema des ersten großen Projektes unserer Schullaufbahn gemacht.

  1. Wir haben Sagen, Märchen und andere Geschichten aus den verschiedenen Herkunftsländern gesammelt, sie illustriert und auch zum Teil in ihren Herkunftssprachen und –schriften dargestellt.
  2. Wir haben Popsongs aus den verschiedenen Regionen gesucht und acht von ihnen (vier deutschsprachige und vier ausländische) auf CD eingespielt.
  3. Wir haben uns mit den verschiedenen Ländern und den verschiedenen Religionen und ihren Festen auseinandergesetzt.
  4. Wir haben uns kleine Gespräche (Am Markt, auf der Suche nach dem Weg) von den Mitschülern in den verschiedensten Sprachen beibringen lassen.
  5. Wir haben aus einem Jugendbuch, das das  Thema "Interkulturalität" beinhaltet, ein Theaterstück verfasst und einstudiert.
  6. Wir haben ein internationales Buffet organisiert.

Projektfotos

CD-Cover

Zunächst liefen die Vorbereitungen für die verschiedenen Projektteile "so nebenher" zwischen Grammatikübungen und dem Vorbereiten von Schularbeiten, zwischen dem Lernen von Intervallen, Lesescreening und was man sonst treibt im normalen Deutsch- und Musikunterricht.
Nach den Osterferien wurde es dann ernst in allen beteiligten Fächern und nach vier Projekttagen im Mai und Anfang Juni, die von allen Beteiligten das Äußerste an Konzentration und Energie verlangten, haben wir im hoffnungslos überfüllten Musiksaal unser Theaterstück, Teile der Broschüre und einige unserer Songs präsentiert. Anschließend konnte unser Publikum im BE-Saal unsere Ausstellung anschauen und sich gemeinsam mit uns vom Wiener Schnitzel über paski sir bis zur Frühlingsrolle kulinarisch quer "durch unsere multikulturelle Klasse futtern".
Und wir glauben, dass wir – ohne rot werden zu müssen – behaupten können: Unser Fest war ein voller Erfolg.
Und was lernt man bei so einem Projekt?
Erwarten Sie sich jetzt keine ehrwürdigen Sätze wie "Respekt vor anderen Kulturen"!
Man hat Spaß daran, auf der Bühne zu stehen und in fremde Rollen zu schlüpfen, man lernt Stunden beinharter Arbeit in unserem schuleigenen Tonstudio kennen, man erarbeitet sich Techniken (Szenen schreiben, Einscannen am Computer, Layoutieren einer Broschüre, Gestaltung eines Bühnenbildes usw.), man wächst über sich hinaus und singt solo vor der ganzen Klasse, man macht die Erfahrung, dass nur Eigenverantwortung und Teamgeist zum Erfolg führen, man hört sich in andere Sprachen ein....
Aber da war doch eigentlich das Problem der Interkulturalität? Ja, wo ist es eigentlich?
Vielleicht sollten wir unsere Kinder zu den Kosovo- oder Kaschmir-Verhandlungen schicken oder die so genannte Ausländerpolitik machen lassen – sie hätten den "Großen" wohl allerhand beizubringen. Wir jedenfalls sind einfach alle "1A"!

Unser Dank für das Gelingen des Projektes gilt den KollegInnen Khalid Dafir, Kurt Freh, Johanna Gröling, Claudia Lang, Maria Sallinger, Barbara Wiedermann, besonders aber unserem Tonmeister, Layouter und Berater in allen bildnerisch-künstlerischen Belangen Gerhard Kowald.

Salzburg, im Juni 2007
Dietmar Rudolf