Theater - Der Sommernachtstraum
Der letzte Vorhang ist gefallen, das letzte Kabel zusammengerollt, das letzte Requisit verstaut.
Der Theatersaal heißt wieder Musiksaal und sieht auch so aus; der Teamgeist hat bis zum Schluss gehalten: Alle haben trotz völliger Erschöpfung nach drei großartigen Vorstellungen geholfen, das irgendwie Schreckliche zu tun, was solchen Aufführungen folgen muss: die eigenen Spuren zu verwischen.
„We are such stuff that dreams are made of...“
Die letzten Pizzastücke sind gegessen. Das Adrenalin in ein paar Gläsern Frizzante ertränkt. Bei manch einem macht sich große Melancholie breit. Vorhang zu! Vorbei! Plakate und Programme werden signiert, dann noch ein letztes Glas auf der Schultreppe, ein paar leise Lieder verhallen in einer Sommernacht. Es ist halb zwei. Noch ein paar Umarmungen zum Abschied.
Eigentlich fängt Lehrer-Sein erst dann wirklich an, wenn man keine Schüler mehr hat, sondern junge Kollegen, denkt sich ein nächtlicher Radler an der Salzach und bittet inständig: Mehr davon!
"Der Sommernachtstraum"
Vier junge Leute verirren sich im Wald bei Athen und überdies im Labyrinth ihrer Liebesbeziehungen, ein handfester Ehekrach im Elfenreich führt zu weiteren Verwicklungen, eine Truppe von höchst amateurhaft schauspielernden Handwerkern kommt allen noch in die Quere und zu guter Letzt wird deren jämmerlich schlechte Tragödie von Pyramus und Thisbe - als Stück im Stück - am Hof des Herzogs von Athen aufgeführt.Verwirrend wie die Handlung des „Sommernachtstraums“ ist auch sein Thema: Die Liebe – in all ihren Facetten von erotischer Anziehung, Verletztheit, Eifersucht, Streit, Geschlechterkampf, Macht– und Besitzan-sprüchen bis zu Versöhnung und neu gewonnner Zärtlichkeit. Und selbst der Traum bleibt doppeldeutig: Er ist sowohl der Blick ins eigene Unbewusste als auch die Sehnsucht nach der geglückten Liebesbeziehung.
Im 4. Akt dieser vielleicht lyrischsten aller Shakespeare – Komödien kommt für alle Verzauberten der Augenblick des Erwachens und der Ernüchterung aus den erotischen Verstrickungen dieser Sommernacht:
Titania stellt entsetzt fest, dass sie in einen Esel, dieses uralte Symbol männlicher Potenz, verliebt war. Die vier jungen Leute haben sich in dieser Nacht ungeheuer Schreckliches gesagt und unendlich wehgetan – und nun soll es auf diesem Scherbenhaufen weiter gehen. Und Zettel stammelt sprachlich völlig überfordert und dennoch ergriffen und ergreifend davon, dass die Traumfrau schlechthin für eine Nacht seine Geliebte war.
Eigentlich ist es völlig gleichgültig, ob hier Zauberei oder Alkohol - Abusus im Spiel war oder ob tatsächlich alle nur geträumt haben. Wer von uns kennt sie nicht, solche Situationen des morgendlichen Erwachens? Erschrocken fällt einem ein, was man am Vorabend gesagt oder getan hat. (War man wirklich so beschwipst oder war man einfach nur ehrlich oder das eine auf Grund des anderen?) Oder man erinnert sich an einen „krausen und krassen“ Traum und fragt sich: Bin das wirklich ICH, all diese verrückten, schockierenden, ungeheuerlichen Gedanken?
Man wird sich eingestehen müssen: Wer sonst!
Wenn man klug ist, wird man es machen wie Demetrius, der seine Freunde mutig zur Offenheit auffordert: „...unterwegs erzählen wir uns unsre Träume.“ Wer noch klüger ist, wird sich von Oberon und Puck, diesen schalkhaften Spielmachern der nächtlichen Schattenspiele ohne Angst durch die Welt der eigenen Abgründe führen lassen und bisweilen herzlich darüber lachen: über die „soap opera“ – Banalitäten der Handwerker, über alle (falschen?) Liebesschwüre, ja, selbst über Lysanders schreckliches „Ich hasse dich!“
Ob die zwei jungen Liebespaare glücklich miteinander werden, ob Oberon und Titania bald den nächsten Ehekrach haben , ob es Hippolyta gelingt, aus dem zynischen Macho Theseus einen brauchbaren Ehemann zu machen, erfahren wir nicht. Denn in der Komödie, die ja oft lachend viel tiefere Abgründe aufreißt als die Tragödie, wird wie „im Film...“ – so Kurt Tucholsky - „...beim Happy End jewöhnlich abjeblend’t“.
Dietmar Rudolf
Die Schauspieler
| Florian Kellner | Oberon |
| Magdalena Gusmag | Titania |
| Clara Irnleitner | Puck |
| Lorenz Hutegger | Theseus |
| Tamara Schöndorfer | Hippolyta + Elf |
| Amanda Augustin | Hermia |
| Astrid Dürnberger | Helena |
| Mariah Diniz Dominguez | Lysander |
| Philipp Brandauer | Demetrius |
| Jacqueline Fierascu | Egea + Schnauz |
| Michaela Walch | Peter Squenz |
| Patrick Suchanek | Niklas Zettel |
| Sarah Adamek | Frank Flaut + Elf |
| Andreas Reichl | Matz Schlucker + Elf |
| Sara Padinger | Schnock + Elf |
| Dietmar Rudolf | Philostrates |
Die Musiker
| Martha Marko | Violine |
| Iris Marko | Querflöte |
| Dorothea Beck-Mannagetta | Violoncello |
| Andreas Reichl | E-Gitarre |
| Dietmar Rudolf | Klavier |
Backstage
| Ausstattung | Das Ensemble |
| Licht- und Tonmeister | Franz Schmalzl |
| Maske | Astrid Dürnberger/Magdalena Gusmag/Mariah Diniz Dominguez |
| Musik | Andreas Reichl/Dietmar Rudolf |
| Regie und musikalische Leitung | Dietmar Rudolf |
Plakat
