Theater-Projekt 2006
Theater hat an unserer Schule eine lange, aber nie durchgängige Tradition gehabt.
Wenn man in die Schulchronik zurück blickt, fällt auf, dass sich bisher immer Anglisten dieser Sparte angenommen haben: In den 70ern gründete der Kollege Auer die „English Drama Group“, später übernahm die Kollegin Weninger, der wir auch unsere technische Ausrüstung verdanken, diese Aufgabe. Die letzten englischsprachigen Theater aufführungen wurden von Uschi Sützl-Winkler betreut. Und nun also der erste Versuch, „klassisches“ Schultheater auf Deutsch zu betreiben. Die neu zusammen gewürfelte Truppe, von denen einige ihre ersten Bühnenerfahrungen im „Englischen Theater “ von Kollegin Sützl-Winkler gesammelt hatten, nahm sich als Neustart des Theater lebens an der Lehener Brücke einen Klassiker der französischen Komödie vor: Molières "Tartuffe".
Zum Stück und zur Inszenierung
Ein religiöser Eiferer und/oder Heuchler (je nach Lesart) namens „Tartuffe“ dreht einen braven Familienvater derart um, dass dieser ihm seine Tochter zur Frau geben möchte, seinen Sohn verstößt und dem Bösewicht obendrein noch Hab und Gut vermacht.
Ist so ein Theaterstück (gut 300 Jahre alt) heute noch zeitgemäß, ja, überhaupt noch aufführbar?
Sind wir Heutigen nicht viel zu weltlich und rational aufgeklärt, um uns in solchen religiösen Wahn hineinzuversetzen, geschweige denn, darüber lachen zu können?
Die jüngste Zeit scheint uns widerlegen zu wollen:
Evangelikale leugnen die Evolution, die (angeblichen!?) Verletzungen religiöser Gefühle durch Literatur oder Zeichnungen scheinen im Gegensatz zu Zwangsheiraten und „Ehren“ -Morden mehr wert zu sein als Menschenleben, noch immer werden Kriege geführt „with God on our side“....
Auch heute ist man sich nie wirklich sicher: Sind unbelehrbare Fanatiker am Werk oder abgefeimte Heuchler, die unter dem Deckmantel der Religiosität ihre ganz banalen materiellen Zwecke verfolgen?
Die Mahnung des Herrn Poquelin alias Moliére ist ebenso alt wie einfach: Wer Herz und Hirn und den gesunden Menschenverstand einsetzt, bleibt immun gegen die Pharisäer und Hassprediger jedweder Religion; Vernunft ist allemal die beste Waffe gegen Fanatismus.
Die letzten Tage vor einer Aufführung sind beim Spielleiter einer Schultheatergruppe immer geprägt von einem Gefühlswechselbad aus großen Hoffnungen und schierer Verzweiflung: Szenen und Texte sitzen nicht, Kostüme und Bühnenbild sind noch weit davon entfernt fertig zu sein, dann blitzen wieder Probenmomente auf, die sagen: „Genauso sollte alles sein!“, Ensemblemitglieder arbeiten wie besessen, Helfer bieten sich an...
Wie es dann wirklich wird, weiß man erst nach dem letzten Vorhang; das ist das Nervenzerreißende, aber auch das Spannende an dieser Arbeit. Vielleicht gelingt es uns ja, an unserer Schule wieder eine Theatertradition zu begründen und hoffentlich brauchen wir nicht allzu viel Nachsicht von Seiten unseres Publikums bei unserem ersten Versuch.
Eine Gruppe völlig erschöpfter, nachdenklicher, besinnlich-glücklicher und etwas melancholischer junger Leute sitzt im Schulhof bei Kerzenlicht und einem Glas (Plastikbecher) Sekt. Es wird ein bisschen musiziert, die Frage „Und was machen wir als Nächstes?“ steht im Raum. Es ist die unbeschreibliche Stimmung, die entsteht, wenn Menschen wissen, dass sie etwas Großes miteinander vollbracht haben: Proben, proben, proben und dann vier gelungene Aufführungen an zwei Tagen.
Schön, das alles mit euch erlebt zu haben!
Auf ein Neues im nächsten Jahr!
Dietmar Rudolf
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Die Schauspieler
| Frau Pernelle | Amanda Augustin |
| Orgon | Dinko Hadzihajdarevic |
| Elmire | Clara Irnleitner |
| Damis | Andreas Reichl |
| Mariane | Magdalena Gusmag/Alexandra Fierascu |
| Valère | Benedikt Meixl |
| Cléante | Johanna Reuter |
| Tartuffe | Lorenz Hutegger |
| Dorine | Sarah Adamek/ Sara Baier |
| Herr Loyal | Oliver Punz |
| Polizist des Königs | Dietmar Rudolf |
| Louis XIV | Dietmar Rudolf |
| Königin Mutter | Angelika Gradl |
| Marquise | Sara Baier/Sarah Adamek |
| Flipote | Astrid Dürnberger |
| Molière | Dinko Hadzihajdarevic |
| Lully | Oliver Punz |
| Madeleine | Astrid Dürnberger |
| Antoinette | Magdalena Gusmag/Alexandra Fierascu |
Die Musiker
| Violine | Martha Marko |
| Flöte | Iris Marko |
| „Bass“ (Keyboard) | Irene Beck-Managetta |
| „Cembalo“ (Keyboard) | Oliver Punz |
Backstage
| Bühnenbild | Alexander Milo |
| Kostümentwürfe | Michaela Weihs |
| Maske | Astrid Dürnberger, Magdalena Gusmag, Johanna Reuter |
| Licht | Franz Schmalzl |
| Regieassistenz, Programmgestaltung und Leiter der Bühnenwerkstätte | Gerhard Schuller |
| Kostüm- und Bühnenbildanfertigung | Das Ensemble |
| Musik | Jean-Baptiste Lully (Arr. D. Rudolf) |
| Regie | Dietmar Rudolf |
Wir danken
Alexander Milo, Max und dem Verein der Freunde des CD-Gym für ihr großzügiges Sponsoring, Alois Leitner für seine tatkräftige Unterstützung, Ingrid Hyra und vielen Müttern für ihre Hilfe bei der Anfertigung der Kostüme, der Direktion und Administration für die Unterstützung bei der Organisation und allen Kollegen des CD-Gym und des Abendgymnasiums für ihr Verständnis angesichts des Sandes, den eine solche Produktion in das Getriebe des normalen Schulalltag bringt.





