Theater - Geschichten aus dem Wiener Wald
- Ein Ensemble ist entstanden
- "Geschichten aus dem Wiener Wald"
- Die Schauspieler
- Die Musiker
- Backstage
- Plakat
„Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit wie die Dummheit“
Ein Ensemble ist entstanden
Als wir vor vier Jahren angefangen haben, mit dem „Tartuffe“ die ersten Schritte auf den knarrenden Brettern unseren kleinen Bühne zu wagen, die für uns, wenn nicht DIE, so doch zumindest eine wichtige Welt bedeuten, schien das zunächst einmal ein Versuchsballon zu sein. Heute, drei Premieren später, dürfen die Schauspielerinnen und Schauspieler der Theatergruppe und die MusikerInnen, die ihnen zur Seite stehen, durchaus von sich behaupten, einen festen und wichtigen Platz an dieser Schule einzunehmen. Jahr für Jahr zeigen sie aufs Neue, dass sie den großen dramatischen Werken der Weltliteratur gewachsen sind, aber mehr noch: Sie zeigen, wie man als Team zu unglaublichem Arbeitseinsatz und ebenso unglaublichen Leistungen in der Lage sein kann. Oder anders ausgedrückt: Wie aus begabten und engagierten Individuen ein Ensemble entsteht. Denen, die uns heuer verlassen, weil sie Matura machen, sei gesagt: Ihr habt an dieser Schule unverwischbare Spuren hinterlassen."Geschichten aus dem Wiener Wald"
Was für ein idyllischer Titel – man denkt an Ausflüge ins Grüne, Feiertagsstimmung und Walzerseligkeit, doch von der ersten Szene an zerbröselt die idyllische Fassade und man schaut in menschliche Abgründe.Es ist keine große Tragödie, die in der „stillen Straße im 8. Bezirk“ mit der Präzision einer Spieluhr abläuft. Es sind ja auch nur kleine Leute, unter denen sie sich abspielt, brave, anständige Bürger mit moralischen Prinzipien, die sie natürlich manchmal über Bord werfen, um an ein kleines Stück vom großen Glückskuchen heranzukommen.
Da gibt es den Inhaber einer mehr schlecht als recht gehenden Puppenklinik, einen selbstgerechten Kleinbürger und Patriarch durch und durch, der seine Tochter Marianne an den Mann, nämlich den abgründig-biederen Fleischhauer von gegenüber, bringen möchte. Da gibt es die ältere Trafikantin, die mit jungen Männern ihr spätes erotisches Glück realisieren will und von diesen nur schamlos ausgenutzt wird. Einer von ihnen, der haltlose Strizzi und Spieler Alfred, verdreht auch Marianne den Kopf, die sich von ihm die große Liebe erhofft, aber stattdessen allein mit einem unehelichen Kind zurück bleibt. Sie ist kein „süßes Mädel aus der Vorstadt“, sie ist eine junge Frau, die mit Zähnen und Klauen um ihre Selbstverwirklichung kämpft, doch von ihrer Umgebung gnadenlos in den Abgrund getreten wird.
Horvath entwirft mit peinigender Genauigkeit ein Sittenbild kleinbürgerlicher Selbstgerechtigkeit, in der die Doppelmoral fröhliche Urständ feiern darf, solange äußere Fassade nur ja nicht angetastet wird: Natürlich darf der „Zauberkönig“ im „Maxim“ Nackerte schauen gehen, aber dass seine eigene Tochter dort auftritt, ist eine bürgerliche Katastrophe. Und Alfreds bigotte Großmutter geht sogar buchstäblich über Leichen, um die katholische Wohlanständigkeit wiederherzustellen.
Horvath entfaltet dieses Sittenbild vor dem Hintergrund der großen Wirtschaftskrise zu Beginn der dreißiger Jahre in einem Österreich zwischen nostalgischer Lebensuntüchtigkeit, vertreten durch den Rittmeister, und aufkeimendem Nationalsozialismus, den der junge deutsche Nazi Erich repräsentiert.
Ein hervorragendes, aber veraltetes Stück Theaterliteratur?
Schon die Begeisterung, mit der sich die Schüler auf diesen Stoff gestürzt haben, lässt das Gegenteil vermuten. Auch Wirtschaftskrise und das Erstarken des politischen rechten Randes sind uns ja nicht fremd. Natürlich wird heute kaum mehr ein junges Mädchen mit einem ungeliebten Mann verkuppelt. Aber die spießige Intoleranz gegenüber jedem, der aus den wohlgeordneten Bahnen ausscheren will und sei er nur aufmüpfig genug, er selbst sein zu wollen, ist wohl jedem, als Opfer oder Täter, wohlbekannt; auch oder gerade den Schülern.
Uns diesen Spiegel vorzuhalten, macht Horvaths Stück, an dem wir uns heute versuchen, zu einem zeitlosen Meisterwerk.
Dietmar Rudolf
Die Schauspieler
und ihre Rollen (in der Reihenfolge ihres Auftretens)| Daniel Rosenlechner | Alfred |
| Sara Padinger | Die Mutter + Tänzerin |
| Amanda Augustin | Die Großmutter |
| Lorenz Hutegger | Der Hierlinger Ferdinand + Havlitschek |
| Tamara Schöndorfer | Valerie |
| Patrick Suchanek | Oskar |
| Philipp Brandauer | Rittmeister |
| Andrea Schmied | Eine gnädige Frau + Tante + Baronin |
| Jacqueline Fierascu | Marianne |
| Florian Kellner | Zauberkönig |
| Sarah Panschur | Tante + Kellnerin + Conferencier |
| Sophie Graffius | Erich |
| Astrid Dürnberger | Emma + Helene + Tänzerin |
| Dietmar Rudolf | Beichtvater |
| Lena Gusmag | Mister |
Die Musiker
| Martha Marko | Violine |
| Amanda Augustin | Akkordeon |
| Daniel Rosenlechner | Akkordeon |
| Dietmar Rudolf | Klavier |
Backstage
| Ausstattung | Das Ensemble |
| Technik | Daniel Breinich/Franz Schmalzl |
| Musik | J. Strauß, H. Leopoldi u. a. |
| Regie und musikalische Leitung | Dietmar Rudolf |
Plakat
